Hauptmann über "Teach me if you can"

Volkschullehrerin [sic!] Markus Hauptmann und ihr Schüler Georg Huber präsentieren ab dem 23. September ihr neues Bildungskabarett. Vorab haben wir die Lehrerin zum Gespräch über Kleinkunst, die Schule und den Lehrerberuf gebeten. Und wir erfuhren, warum Hauptmann ständig auf Bildungsguru Andreas Salcher rumhackt..

Lehrer sind ein eigener Menschenschlag, so lautet die gängige Meinung. Das müssen Sie auch sein, entgegnet Markus Hauptmann, um Samantha (Semempfaa), Justin (Tschaastin), Jean- Luc (Tschaun Lüük) und Ferdinand (Feaadl) in der Klasse bei Laune zu halten. Oder deren Eltern. Oder die Kollegen. Oder die Zeitungen. Also eigentlich eh alle. Einen Einblick, wie Lehrer wirklich ticken, gewährt Hauptmann im neuen Programm "Teach me if you can". Außerdem erfährt das Publikum alles zu heißdiskutierten Themen wie "Gesamtschule", "Pisastudie" und "laktoseintolerante Schulwarte". kabarett.at hat mit Markus Hauptmann über das neue Programm und noch einiges mehr gesprochen.

In der Ankündigung zum neuen Programm bezeichnest du dich als „Volksschullehrerin“. Warum das?
Weil mich , hoffentlich aus Versehen, viele Erstklassler so nennen, und ich sie nicht verwirren will, wenn sie mich zufällig in der Zeitung sehen, und weil ich mich dem Gendern voll und ganz beuge. Ich arbeite in einem, leider muss man es so sagen, Frauenjob, und ich sage JA zur Frauenpower. Packen wirs an, Schwestern… ups falsches Interview…

In der österreichischen Kabarettszene tauchen immer wieder Lehrer oder ehemalige Lehrer auf – außer dir etwa Andreas Ferner oder Stefan Haider. Überspitzt gefragt: Ist der Job so wenig fordernd, dass man genug Zeit zum Kabarett schreiben und spielen hat?
Natürlich: bei 50 Wochen Ferien im Jahr braucht man doch irgendwie eine Beschäftigung. Nur am Strand herumliegen ist auch langweilig. Spaß beiseite. Ich denke, dass man zum Lehrerjob ein hohes Maß an Kreativität braucht, und da kristallisieren sich halt manchmal auch Kabarettisten heraus. Wie aber auch Schauspieler, Moderatoren und Politiker…gut Politiker sind jetzt vielleicht nicht unbedingt ein gutes Beispiel für Kreativität…

Das Thema Lehrer weckt immer wieder Emotionen in den Medien und im Alltag, Lehrer rangieren in der Beliebtheitsskala der Berufe recht weit hinten. Sind die wirklich alle so schlimm?
Aber nicht hinter Parksheriffs, oder? Ich mag dir gerne ein Beispiel geben. Oft sagen Menschen zu mir: „Ihr mit euren Ferien und der vielen Freizeit – euren Job würd ich auch gerne machen“. Und wenn ich diese Menschen dann zu mir in die Klasse einlade, und die sind maximal 2 Stunden bei den Kids, kommt jedesmal danach ein fix und fertiges: „Deinen Job könnt ich nicht machen." Ich frage mich immer, wenn unser Job soooo toll und easy und gewinnbringend ist, warum haben wir dann eigentlich einen derart akuten Lehrermangel?

Worum geht es in „Teach me if you can“? Bitte erzähl ein bisschen über das neue Programm.
Ist es beim letzten Programm noch zu 100% um die Schule gegangen, und darum, 2 Stunden eine Lanze für die Lehrer zu brechen, plaudere ich dieses Mal munter drauflos. Natürlich ist die Schule auch Thema, aber bei "Teach me" wird’s wieder allgemeiner. Und ich stelle Fragen, z.B.: Wieso sind Lehrer wie sie sind? Wie ticken sie? Wieso reden manche von ihnen auch außerhalb der Schule mit Erwachsenen so wie mit den Kindern? Soviel zum Thema „Image“. Das ist sicher auch ein Grund für die „Beliebtheitsskala“.

In deinen Kolumnen und auch in der Ankündigung zum Programm gibt es immer wieder Seitenhiebe in Richtung des „Bildungsexperten“ Andreas Salcher. Was stört dich so sehr an ihm?
Das ist ganz einfach: Salcher hat mit ganz vielen Dingen recht. Nur weiß das eh jeder. Er erzählt uns ja nichts Neues. Das Problem ist nur, er spricht immer nur von Leistung, von Studien. Ich hab von ihm noch nie gehört, dass es um Kinder, ergo um Menschen geht. Und er hat null Ahnung, wie es in einer öffentlichen Schule in Wien zugeht, wenn trotz Lehrermangel und Langzeitkrankenständen das Werkl irgendwie am Laufen gehalten werden muss. Und vor allem vergisst er auch, dass das Lehren mittlerweile nur eines von vielen Dingen ist, die wir Lehrer in der Schule abdecken müssen. Er ist aber im Grunde auch nur ein Marktschreier, der seine Bücher verkaufen will. Sonst is er eh lieb.

Du hast auch eine CD aufgenommen, die direkt auf der Bühne verkauft werden soll. Wie kann man sich das vorstellen?
Das bleibt vorerst noch geheim… nur soviel: CDs bei der Garderobe von irgendjemanden verkaufen zu lassen, das kann jeder!

Wie sehen deine Zukunftspläne aus? Gibt es schon neue Projekte?
Ja die gibt es… genauer gesagt eines… im privaten Bereich… das ist aber noch ein sehr kleines und muss erst wachsen… you know what I mean? :-)

Wir danken sehr für das Gespräch!

Die Premiere von Hauptmanns neuem Programm "Teach me if you can" findet am 23. September 2013 in der Kulisse statt und ist bereits ausverkauft. Für die Folgetermine (26. - 28. September) gibt es noch Tickets, u. a. bei Öticket. Alle weiteren Termine finden Sie in unserem Kalender.
 

Interview vom 13.09.2013, 14:13 Uhr · rb
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