Plakatieren verboten!
Künstler
Plakatieren verboten!
Wien ist anders! Dieser Slogan ist ebenso klischeehaft, wie wahr, wie zeitlos.
Wien überrascht aber immer wieder aufs Neue damit, wie viel Kreativität und Phantasie die verantwortlichen Verwaltenden dafür aufbringen können, diesem Credo gerecht zu werden.
Menschen, die Wien per Automobil erobern, präsentiert sich die Bundeshauptstadt seit etwa einem dreiviertel Jahr mit gedruckten Witzen. Eigentlich mit nur einem einzigen Witz, aber der ist wirklich lustig.
Die Stadt Wien, ergo die gewista, ergo ihre Division „Kulturplakat“ plakatieren Plakate, wo immer sich ein freies Fleckchen vertikale Stadt dafür anbietet, mit der Message: Plakatieren verboten!
Gefühlte 32 Millionen dieser Plakate bestimmen seither das Stadtbild und bewahren so – im trendy Mausgrau – den sportlich-eleganten Look der Balkan-Pforte.
Und es sind lediglich gespaltene, neidige, böse Zungen, die behaupten, dass von dieser Defacto-Demontage sämtlicher freier Plakatflächen Wiens zwei bis drei ehemalige Wild-Plakatierer als nunmehrige Geschäftsführer mördermäßige Profite … Kusch jetzt, böse Zunge! Das ist die plakative Kraft des Faktischen und Ruhe! Sonst kommt der Aufpudel-Scherer!
In Wahrheit steckt natürlich ein genialer Masterplan dahinter: Gegen den Trend permanenter Arbeitsplatzvernichtung durch Großkonzerne setzt Wiens Bürgermeister Häupl ein beispielloses Zeichen und schafft in Zeiten der Krise Unmengen neuer Arbeitsplätze:
Gesucht werden weitere 50 Plakatieren-Verboten-PlakatiererInnen!
Weiters werden eingestellt:
- Beschriften-Verboten-BeschrifterInnen
- Rufen-Verboten-RuferInnen
- Sprayen-Verboten-SprayerInnen
- Singen-Verboten-SängerInnen
Dass sich das Ankünden auf den neu geschaffenen „Halbschalen-Plakatflächen“ weder kleine KulturanbieterInnen, noch NGOs leisten können und damit der öffentliche Raum generalkommerzialisiert wird, ist 1. wurscht und 2. kein Malheur.
Die wirklich Kreativen haben längst Mittel und Wege gefunden, ihre Botschaften trotzdem ans Volk zu bringen:
Der Verband der freien Kinobetreiber zum Beispiel fuhr mit dieser Kampagne seinen Relaunch:
Ebenso ließ sich der Verband Wiener Volksbildung nicht lumpen, und setzte völlig neue Maßstäbe in Sachen niederschwelliger kultureller Volksaufklärung:
Ja, selbst die Vereinigung „Sexuelle Befreiung für Dummies“ hat sich für ihre Neigungsgruppe „Fahrzeuge“ etwas ganz Besonderes einfallen lassen:
Alles Banane in Wien!
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