Go Graz, Gebrüder!
Künstler
Go Graz, Gebrüder!
Ein beliebter Vorwurf der restösterreichischen Bevölkerung an die BewohnerInnen der Bundeshauptstadt lautet, sie seien ein wenig überheblich. Wir – die Gebrüder mit dem provinziellen Namen – sind Wiener. Und entsprechend abgehoben, versteht sich.
Wenn du dir dein gesamtes WienerInnenleben quer durch die Republik anhören musst, wie pfuikack du und deine Stadt nicht sind („Na, die Wiener woll ma ned!“) wird die aufgesetzte Überheblichkeit zum System erhaltenden Schutzmechanismus.
Diese Woche spielen wir im Rahmen der Langen-Nacht-Des-Kabaretts-Tour in Graz. Ein wirklich netter Ort. Wir mögen ihn, seine Leute und die kleine Prise Coolness, die gelegentlich durch die Gassen fegt. Und: Graz ist streng genommen sogar eine „Stadt“. Angeblich die zweitgrößte des Landes. Da schmunzelt das überhebliche WienerInnenherz naturgemäß ein wenig.
Aber Graz bemüht sich zunehmend den Anforderungen einer richtigen Groß(?)stadt gerecht zu werden und bastelt geschickt am eigenen Flair. Wir erlauben uns den Safari-Check.
Wer Urbanität glaubhaft vermitteln will, muss dem rustikalen Marterl Lebewohl sagen und für entsprechend massive Sakralbauten sorgen. Gut gemacht, Graz!
Auch die dazugehörige Händefalt-Goschenhalt-Kombi darf getrost der Landjugend überlassen werden. Urbanität braucht Widerborst!
Im Verkehrsbereich kennt Graz noch Entwicklungsfelder. Vereinzelte FußgängerInnenwege sind derart schmal geraten, dass gerade die panierfreudige Fraktion unserer Tour-Crew mit dem kommunikationsunfreundlichen Gänsemarsch Vorlieb nehmen muss.
Das könnte aber auch daran liegen, dass der/die GrazerIn einfach ein wenig kleiner gebaut ist als der/die gemeine RestösterreicherIn. Kommt der viel zitierte „kleine Mann von Straße“ etwa gar aus Graz? Wenn ja: bitte Obacht bei Straßenbauten: Er könnte verloren gehen.
Zugegeben, der 500-Meter-Lauf zwischen Theatercafe und Hotel scheint unrepräsentativ, aber er reicht. Zumindest für Martin Moped. Er stellt umgehend am letzten Tag unserer kleinkünstlerischen Reise einen Asylantrag. Künstlerisch abgehoben und – entsprechend überheblich. Typisch.
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